Über Belarus

Über Belarus

 

Belarus, oder auch Weißrussland, ist ein Binnenstaat in Osteuropa, in dem rund 9,5 Millionen Menschen leben. Er grenzt im Westen an Polen, im Süden an die Ukraine, im Osten an Russland und im Norden an Lettland und Litauen. Seit der Auflösung der Sowjetunion im Jahre 1991 ist Belarus unabhängig. Bei den Wahlen 1994 wurde Alexander Lukaschenka Präsident, der das Land, wie westliche Beobachter oft schreiben, stetig zur „letzten Diktatur Europas“ umgestaltete. Dabei wurden vor allem die Menschen- und Bürgerrechte extrem eingeengt.

 

Amnesty International dokumentierte für das Jahr 2010 neben drei Todesurteilen diverse Verletzungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung und des Versammlungs- und Demonstrationsrechts. Auch im Jahr 2012 wurden Todesurteile vollstreckt. Außerdem verhaftete das Regime zahlreiche Oppositionelle wegen regierungskritischer Äußerungen auf Demonstrationen. Die aus diesen Gründen durchgeführten Schweigemärsche wurden schließlich ebenfalls per Gesetz untersagt. Im September 2011 wurden zudem „nicht sanktionierte Handlungen oder nicht sanktionierte Tatenlosigkeit“ unter Strafe gestellt. Weitere Einschränkungen erfuhren die belarussischen Bürgerinnen und Bürger am 6. Januar 2012 als eine neue Regelungen im Internetverkehr in Kraft trat, die Benutzern von Internetcafés zur Registrierung zwingen und deren Verkehr von nun an streng protokolliert wird – jegliche Internetgeschäfte müssen über weißrussische Server abgewickelt werden.

 

Wirtschaftlich ist Weißrussland immer noch eine Planwirtschaft, die Aufgrund sehr guter Wirtschaftsbeziehungen zu Russland (starker Export, verbilligter Rohstoffimport) momentan noch stabil ist. Wie in der Planwirtschaft üblich ist Industrie und Landwirtschaft größtenteils in staatlichen Händen. Doch die vermeintlich stabile Planwirtschaft kann schnell zusammenbrechen, falls Russland eine andere Weißrusslandpolitik verfolgt. Die Anhebung der Rohölpreise durch Russland brachte die durch die bisherige Vorzugsbehandlung bei den Rohstoffpreisen subventionierte Wirtschaft in Schwierigkeiten.

 

Die offiziellen Amtssprachen des Landes sind Weißrussisch und Russisch. Die russische Sprache dominiert jedoch im Alltag, etwa 75% der Bevölkerung nutzt inzwischen das Russische als Hauptumgangssprache und nur noch knapp 12% das Weißrussische. Verbreitet ist auch das Trasjanka, eine mündliche Mischform aus weißrussischer und russischer Sprache.

 

Nach Schätzungen gehören der russisch-orthodoxen Kirche etwa 80 % der Bevölkerung an. Die restlichen 20 % der Bevölkerung verteilen sich auf mehrere Konfessionen, darunter römisch-katholische, protestantische, moslemische und jüdische Gemeinden.

 

Frühe Geschichte

 

Im frühen Mittelalter war der Großteil des heutigen Weißrussland Teil der „Kiever Rus“. Bis 1240 zerstörte der Mongolensturm aus dem Osten dieses ostslavische Reich, dass sich bis zum Beginn des 14. Jahrhundert vollständig aufgelöst hatte.

 

Im 14. Jahrhundert wurde das weißrussische Gebiet vom weit nach Osten expandierenden Großfürstentum Litauen erobert. Dessen Herrscher führte den Titel „Magnus Dux Littwanie“, „Samathie et Rusie“. Sowohl Litauer als Weißrussen bezeichneten sich in ihren Sprachen als Litauer (lietuvis bzw. litwin) und machten damit deutlich, dass sie sich dem Großfürstentum angehörig fühlten. Trotz des Namens war in dieser Zeit nicht Litauisch Amtssprache, sondern Ruthenisch, eine historische ostslawische Schriftsprache, die aus dem Altostslawischen entstand und ein Vorläufer des heutigen Ukrainischen und Weißrussischen ist. 1386 wurde Weißrussland als Teil Litauens Bestandteil des Doppelstaates Polen-Litauen. Dieser Staat existierte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

 

Mit der ersten und zweiten Teilung Polens gelangte das Gebiet des heutigen Weißrussland bis zum Jahre 1793 vollständig unter russische Herrschaft. Aus russischer Sicht wurde dies als eine Wiedervereinigung gesehen.

 

20. Jahrhundert

 

Nach dem Einmarsch des deutschen Heeres in Minsk Anfang 1918 bestand zeitweise eine nominell unabhängige belarussische Republik, die jedoch keinen langen bestand hatte. 1919 und 1920 war das weißrussische Gebiet Streitpunkt zwischen dem wiedergegründeten polnischen Staat und der Sowjetunion. Nach dem Sieg der polnischen Truppen 1920 über die Rote Armee wurde ein Teil Weißrusslands an Polen angegliedert, während aus dem östlichen Teil die „Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik“ gebildet wurde, die 1922 Gründungsmitglied der Sowjetunion war. Ebenso wie der sowjetische Teil war auch der polnische Teil mehrheitlich weißrussisch besiedelt.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der zuvor zu Polen gehörende Landesteil von sowjetischen Truppen besetzt und in die Weißrussische SSR eingegliedert. Im Sommer 1941 wurde Weißrussland vollständig von der deutschen Wehrmacht erobert. In dieser Zeit wurden ca. 25 % der Bevölkerung ermordet, darunter fast die gesamte jüdische Bevölkerung des Landes. Von Ende 1943 an wurde das Land von der Roten Armee zurückerobert und war im Sommer 1944 vollständig wieder in sowjetische Herrschaft. Belarus wurde 1945 Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und verblieb bis 1991 in der Sowjetunion. In dieser Zeit wurde Belarus vor allem durch die Katastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, da weite Teile des Landes durch radioaktiven Niederschlag verstrahlt wurden.

 

Seit Ende 1991 ist das Land ein eigenständiger Staat. 1991 bis 1994 wurde es von Stanislau Schuschkewitsch regiert. Er wurde von Alexander Lukaschenka abgelöst, der zunehmend die Macht auf seine Person vereinnahmte und das Land seitdem autoritär regierte. Wegen seiner Abneigung zur Marktwirtschaft und Demokratie ist das Land in Europa wirtschaftlich und politisch stark isoliert. Seine wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner sind Russland, der Iran und Venezuela.

 

 

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